

Am 29. MĂ€rz 1516 fasste die Republik Venedig einen Beschluss mit weitreichenden Folgen: Sie wies den Juden ein Gebiet zu, in dem sie von nun an abgetrennt von der ĂŒbrigen Bevölkerung leben mussten. Es war ein ödes Areal am Stadtrand, âGhettoâ genannt. Von hier aus verbreitete sich der Begriff auf der ganzen Welt als Synonym fĂŒr Ausgrenzung und Verfolgung. In Venedig kam es anders: Das Ghetto ist heute ein Ort der Begegnung und ein beliebtes, bunt gemischtes Wohnviertel mit hoher LebensqualitĂ€t. Wie kein anderer Ort spiegelt dieses Viertel die wechselhaften Beziehungen zwischen den Juden, Venedig und der Welt wider. Die ersten Juden, die im Ghetto ankamen, fanden verfallene HĂ€user, Schmutz und Unrat vor. Es war ein aufgelassenes Gewerbegebiet, rundum von Wasser umgeben und nur durch Tore zu betreten, die in der Nacht verschlossen und streng bewacht wurden. Dennoch strömten immer mehr Menschen herbei â auf der Flucht vor Kriegen und der Verfolgung auf dem Festland.
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